Einleitung

Für gesetzlich Versicherte sind neue Versorgungsmodelle interessant, wenn sich daraus ein Mehrwert ergibt. Dabei spielen nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch Transparenz, Information und Partizipation im Behandlungsprozess eine wichtige Rolle.

Mit dieser Internetseite wird ein neues Versorgungsmodell für die ambulante Versorgung vorgestellt, das das Ziel verfolgt, einen Rahmen für die ambulante Versorgung zu entwickeln, in dem für jeden gesetzlich Versicherten ein nachhaltiger Zugang zur medizinischen Versorgung sichergestellt werden kann. Ordnungspolitisch zielt das Versorgungsmodell hin zu mehr Wettbewerb, mehr Qualität und mehr Wirtschaftlichkeit.

Mehr Wettbewerb, Qualität und Wirtschaftlichkeit werden in diesem Zusammenhang als Werte der Gesellschaft angesehen, die bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen aus der Perspektive einer effizienten Verwendung der Finanzmittel zu bewerten sind. In der ambulanten Versorgung gibt es derzeit keine wirksamen Anreize, durch die eine effiziente Verwendung der Finanzmittel sichergestellt werden kann.

Anstelle wirksamer Anreize gibt es in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nur die Instrumente der Zuzahlungen und der Patientenquittung. Die bekannteste Zuzahlung ist die Praxisgebühr von 10 € im Quartal, die im Sachleistungsprinzip als zusätzliche Zahlung des Patienten umgesetzt wird. Untersuchungen zeigen, dass diese Zuzahlungen aus Effizienzgesichtspunkten nahezu wirkungslos sind.

Es sind vor allem die Besonderheiten des deutschen Sachleistungsprinzips, die es nahezu unmöglich machen, echte Anreize in der ambulanten Versorgung umzusetzen. Denn hierzu müsste der Versicherte die Kosten der ambulanten Versorgung kennen, die seine Inanspruchnahme auslösen. Da aber das Sachleistungsprinzip durch die Honorarreformen der letzten Jahre mittlerweile selbst für einen großen Teil der niedergelassenen Ärzte kaum mehr nachvollziehbar ist, kann sich daraus auch kaum eine patientenseitige Transparenz über das Abrechnungsgeschehen entwickeln. [zurück]

Selbst wenn alle Versicherte eine Patientenquittung ausgestellt bekämen, könnte damit nur eine Annäherung an die ambulanten Kosten erfolgen, da viele Leistungen über Pauschalen und Behandlungsperioden definiert sind. Deshalb kann das Instrument einer Patientenquittung im Sachleistungsprinzip nur bedingt Transparenz über die entstandenen Kosten generieren. In letzter Konsequenz bedeutet dies für die ambulante Versorgung, dass Anreize für mehr Wettbewerb, Qualität und Wirtschaftlichkeit im bestehenden Honorarsystem nicht wirksam umgesetzt werden können.

Dies gelingt nur mit einer Einzelleistungsvergütung, durch die eine patientenbezogene Äquivalenz zwischen in Anspruch genommenen Leistungen und damit verbundenen Kosten hergestellt wird, wonach die Behandlungs- und Therapiekosten für den Versicherten nachvollziehbar werden.

Diese Kostentransparenz wäre dann ein Preissignal, durch das die Patientensouveränität gestärkt werden könnte. Und ein solcher Ansatz wäre auch ein Paradigmenwechsel, durch den das bestehende Zuzahlungssystem, das bestehende Sachleistungsprinzip und das bestehende ambulante Vergütungssystem durch ein neues Versorgungsmodell modifiziert würden.

Ordnungspolitisch ist ein Paradigmenwechsel dann geeignet, wenn in der GKV neue Steuerungsinstrumente umgesetzt werden, die gesundheitspolitisch wünschenswerte Eigenschaften aufweisen. Wünschenswerte Eigenschaften sind bspw. eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Eintritt des Steuerungsziels,  z.B. mehr Wettbewerb, Wirtschaftlichkeit und Patientensouveränität, bei gleichzeitigem Ausschluss unerwünschter sozialer, medizinischer und finanzieller „Nebenwirkungen“.

Letztendlich geht es dabei auch um den übergeordneten gesellschaftlichen Wunsch nach einem für alle dauerhaft gesicherten Zugang zur medizinischen Versorgung und zur medizinischen Innovation. In einem Gesundheitssystem mit Fehlallokation und verzerrten oder nicht vorhandenen Preissignalen ist das nur dann möglich, wenn immer mehr Finanzmittel bereitgestellt werden. Doch diese Finanzierungsoption ist mittlerweile an ihren Grenzen angekommen. [zurück]